Der Unterschied zwischen „Erlaubnis zum Fernbleiben“ und „SchulfreierklĂ€rung“

Der lange Weg zu einer Akzeptanz der Rechtslage

SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern ist zur Teilnahme an SchĂŒlergottesdiensten und religiösen Übungen oder Veranstaltungen die Erlaubnis zum Fernbleiben vom Unterricht im bisherigen Ausmaß zu erteilen.
Das bisherige Ausmaß umfasst:

1. SchĂŒlergottesdienste:
zu Beginn und am Ende des Schuljahres.

2. Religiöse Übungen und Veranstaltungen:
a) Eucharistiefeiern, Wortgottesdienste, Einkehr-, Orientierungs- bzw. Besinnungstage, Wallfahrten und Kreuzwege
bis zu zwei Unterrichtstagen pro Klasse und Schuljahr.

b) Bußliturgie (Beichte, Bußfeier)
bis zu sechs Stunden pro Klasse und Schuljahr.
Die Bußliturgie kann in der Kirche oder in der Schule abgehalten werden. Außerdem steht fĂŒr den Erstbeichttag die dafĂŒr benötigte Zeit zur VerfĂŒgung.
Die Verantwortung fĂŒr die inhaltliche und organisatorische Gestaltung der unter a) und b) angefĂŒhrten religiösen Übungen und Veranstaltungen tragen die Religionslehrer/innen.

c) Volksmission
bis zu sechs Stunden.
d) Bischöfliche Visitationen
bis zu einem Unterrichtstag, anlĂ€sslich der bischöflichen Visitation fĂŒr alle Schulen in der visitierten Pfarre.

FĂŒr die SchĂŒler/innen, die anderen gesetzlich anerkannten Kirchen oder Religionsgesellschaften angehören, ist eine Erlaubnis zum Fernbleiben im gleichen Umfang zu erteilen.

Eine große Schwierigkeit scheint im Erfassen der Wortwahl „bis zu“ zu liegen.

Ein analoges PhĂ€nomen lĂ€sst sich auch bei der Festlegung der Anzahl jener Tage beobachten, die vom Schulforum fĂŒr schulfrei erklĂ€rt werden können. Auch hier wird vielfach in der Wortfolge
„Aus AnlĂ€ssen des schulischen oder sonstigen öffentlichen Lebens kann das Klassen- oder Schulforum bzw. der Schulgemeinschaftsausschuß höchstens fĂŒnf Tage in jedem Unterrichtsjahr schulfrei erklĂ€ren.“
die Wendung „höchstens“ einfach ĂŒbersehen. Die Mehrheit der Elternschaft erfĂ€hrt es so, dass jedenfalls 5 Tage zusĂ€tzlich frei zu sein haben.

Die weitere Schwierigkeit liegt in der Abwicklung, die aus einer Zeit stammt, wo alle oder fast alle Kinder derselben Religionsgesellschaft (Katholische Kirche, römisch katholischer Ritus) angehörten. Der Einfachhheit halber wurde nicht jedem Kind der Klasse/Schule gesondert die Erlaubnis zum Fernbleiben erteilt, damit es am Gottesdienst teilnehmen kann, sondern alle nahmen teil (scheinbar formlos). Und weil alle fernbleiben durften, fand kein Unterricht statt.

Die Zeiten Ă€ndern sich: die Gottesdienste werden immer kĂŒrzer, immer mehr Kinder gehören anderen Religionsgemeinschaften an oder sind ohne Bekenntnis und dĂŒrfen nicht teilnehmen, viele Eltern sind vormittags nicht zu Hause sondern bei der Arbeit.

So fÀllt plötzlich vielen auf, dass etwas nicht stimmen kann:
ïŹ kein Unterricht fĂŒr alle, weil einige zum Gottesdienst gehen
ïŹ den ganzen Tag kein Unterricht obwohl der Gottesdienst nur 30 Minuten dauert.

Beharrlich berufen sich immer die Gleichen auf das „bisherige Ausmaß“, ĂŒbersehen geflissentlich die Wortfolge „bis zu“ und beharren darauf, dass zwei Unterrichtstage pro Klasse und Schuljahr zustehen -als unterrichtsfrei.

Immer wieder fĂŒhrten wir dazu GesprĂ€che mit den Verantwortlichen im Landesschulrat, um auf diese UmstĂ€nde aufmerksam zu machen.

Mehrmals wurde seitens des Landesschulrats ein entsprechender Erlass verfasst. Zuletzt am 9. Februar 2012: GZ.: VIIIRe1/1-2012.
Und wieder pochen viele auf die im ersten Absatz des Erlasses zitierte Wendung „im bisherigen Ausmaß“, eine Wendung, die nicht isoliert gesehen werden darf sondern nur im gesamten Kontext, Und so wurden weiterhin an vielen Schulen die Unterrichtstage verkĂŒrzt - obwohl in weiterer Folge im Erlass deutlich ausgefĂŒhrt wird:

„Die Erlaubnis zum Fernbleiben vom Unterricht ist ausschließlich den an einem SchĂŒlergottesdienst bzw. einer religiösen Übung oder Veranstaltung teilnehmenden SchĂŒlern und SchĂŒlerinnen und nur fĂŒr die konkrete Dauer der genannten Veranstaltungen (einschließlich etwaiger Weg-, Vor- und Nachbereitungszeiten) zu gewĂ€hren, sofern nicht sonstige wichtige GrĂŒnde fĂŒr eine weitergehende Erlaubnis zum Fernbleiben vorliegen. SchĂŒler/innen, die an SchĂŒlergottesdiensten oder religiösen Übungen bzw. Veranstaltungen nicht teilnehmen, haben den Unterricht zu besuchen.

FĂŒr die Zeiten außerhalb der Erlaubnis zum Fernbleiben sind die SchĂŒler/innen verpflichtet, den stundenplanmĂ€ĂŸig vorgesehenen Unterricht zu besuchen, sofern die Schulleitung nicht in begrĂŒndeten AusnahmefĂ€llen gemĂ€ĂŸ § 10 Abs. 2 SchUG Änderungen des Stundenplans anordnen muss (Stundentausch, Fachsupplierung, Supplierung, Entfall von Unterrichtsstunden). Aber auch bei einem notwendigen Entfall von Unterrichtsstunden ist fĂŒr eine Beaufsichtigung der SchĂŒler/innen zu sorgen, soweit eine GefĂ€hrdung der SchĂŒler/innen durch ein vorzeitiges Unterrichtsende zu befĂŒrchten ist.“

Wenn Eltern oder Elternvertretungen, die durch unsere Publikationen und Schulungen wissen, dass ihre Kinder Anspruch auf Unterricht haben, an der Schule oder bei ihrer ElternVertretung vorstellig , werden, so wird seitens der Schule oft nach dem Motto reagiert „Angriff ist die beste Verteidigung“.
Eltern mĂŒssen sich als Gegner von Gottesdiensten hinstellen lassen, Kinder werden -vor der Klasse- gefragt, ob sie oder ihre Mama den Direktor nicht mögen, weil sie sich beschwert haben, etc.

Da es daneben auch viele Schulen gibt, denen ganz korrektes Vorgehen gelingt, ist auch das kurioseste Argument von Verweigerern widerlegbar. Es wird mancherorts nÀmlich behauptet, dass mit den Kindern nach dem Gottesdienst nichts anzufangen sei.

Wir hoffen, dass seitens der Schulaufsicht dafĂŒr gesorgt wird, dass alle Schulen den Erlass verstehen und danach handeln.

Erlass GZ.: VIIIRe1/1-2012