Bildungsstandards

SpĂ€testens seit der Betonung des „Rahmencharakters der LehrplĂ€ne“ und der Forderung „Mut zur LĂŒcke“ sind die Leistungen und Leistungsbeurteilungen nicht mehr stimmig und die Unterschiede zwischen einzelnen Schulen aber auch zwischen Klassen innerhalb einer Schule immer beachtlicher.
Dies haben wir als Elternvertretung immer wieder bemĂ€ngelt und wirksame Maßnahmen eingefordert. Doch erst mit PISA kam Bewegung ins Getriebe. Dass positive oder gar gute Noten nicht immer auch mit entsprechenden Leistungen einhergehen, konnte nicht mehr ignoriert werden.
Die QualitĂ€tsmodelle fĂŒr Schulen, bei denen jede Schule fĂŒr sich einen Maßstab setzte, konnten das Problem nicht lösen.
Immer mehr mussten die Eltern darauf achten, dass ihre Kinder die nötigen Kenntnisse und Kompetenzen erwerben um in weiterfĂŒhrenden Bildungseinrichtungen bestehen zu können. Dort wo Eltern diese Aufgaben nicht ĂŒbernehmen konnten oder wollten bestand immer öfter Gefahr, dass die Kinder zwar nicht „durchgefallen sind“ aber nicht in ausreichendem Maße die Lernziele erreicht haben: zB.: PISA 2003: mehr als 20% eines Jahrgangs kann am Ende der Schulpflicht nicht ausreichend lesen, wobei diesen Kindern hĂ€ufig dennoch ein „erfolgreicher Abschluss “ bescheinigt worden war.

Unsere Forderungen nach mehr Ergebnisorientierung des Unterrichts, nach einer besseren Diagnostik als Voraussetzung fĂŒr eine geeignete Förderung, sowie nach Entwicklung von Instrumenten zur ÜberprĂŒfung der Ergebnisse von Unterricht sind nun u.a. als

Funktionen der Bildungsstandards in §3 angefĂŒhrt:

(1) Bildungsstandards sollen AufschlĂŒsse ĂŒber den Erfolg des Unterrichts und ĂŒber
Entwicklungspotentiale des österreichischen Schulwesens liefern. DarĂŒber hinaus sollen sie
1. eine nachhaltige Ergebnisorientierung in der Planung und DurchfĂŒhrung von Unterricht bewirken,
2. durch konkrete VergleichsmaßstĂ€be die bestmögliche Diagnostik als Grundlage fĂŒr individuelle Förderung sicher stellen und
3. wesentlich zur QualitÀtsentwicklung in der Schule beitragen.

(2) Zum Zweck der nachhaltigen Ergebnisorientierung in der Planung und DurchfĂŒhrung von Unterricht haben die Lehrerinnen und Lehrer den systematischen Aufbau der zu vermittelnden Kompetenzen und die auf diese bezogenen Bildungsstandards bei der Planung und Gestaltung ihrer Unterrichtsarbeit zu berĂŒcksichtigen (Orientierungsfunktion gemĂ€ĂŸ Abs. 1 Z 1).

(3) Die Leistungen der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sind in allen Schulstufen unter Zugrundelegung der Bildungsstandards fĂŒr die 4. bzw. fĂŒr die 8. Schulstufe besonders zu beobachten und zu analysieren. Auf der Basis des diagnostischen Vergleiches von zu erlangenden und individuell erworbenen Kompetenzen
ist eine bestmögliche individuelle Förderung der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sicher zu stellen (Förderungsfunktion gemĂ€ĂŸ Abs. 1 Z 2).

(4) Durch periodische StandardĂŒberprĂŒfungen sind die von den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern bis zur 4. bzw. zur 8. Schulstufe erworbenen Kompetenzen objektiv festzustellen und mit den angestrebten Lernergebnissen zu vergleichen.

Wer bzw. was wird getestet?
Bildungsstandards sind fĂŒr die 4. Schulstufe der Volksschule sowie fĂŒr die 8. Schulstufe der Volksschuloberstufe, der Hauptschule und der allgemein bildenden höheren Schule festgelegt und zwar fĂŒr die folgenden PflichtgegenstĂ€nde:

4. Schulstufe: Deutsch/Lesen/Schreiben, Mathematik;
8. Schulstufe: Deutsch, Lebende Fremdsprache (Englisch), Mathematik.

Wann beginnen die ÜberprĂŒfungen?
StandardĂŒberprĂŒfungen sind auf Anordnung der Schulbehörden fĂŒr die 8. Schulstufe ab dem Schuljahr 2011/12 und fĂŒr die 4. Schulstufe ab dem Schuljahr 2012/13
DurchzufĂŒhren.

Was geschieht mit den Ergebnissen?
Die Auswertungen sind den Schulen rĂŒckzumelden.
Die Auswertungen der StandardĂŒberprĂŒfung und deren RĂŒckmeldungen haben so zu erfolgen, dass sie fĂŒr Zwecke der QualitĂ€tsentwicklung an den Schulen herangezogen werden können.
Maßnahmen der QualitĂ€tsentwicklung sind zu dokumentieren und periodisch zu evaluieren (Evaluationsfunktion gemĂ€ĂŸ Abs. 1 Z 3).

Was ist mit Kompetenzen gemeint, was sind Kompetenzmodelle,
?
In § 2 der Verordnung der Bundesministerin fĂŒr Unterricht, Kunst und Kultur ĂŒber Bildungsstandards im Schulwesen finden sich nachstehende

Begriffsbestimmungen:

1. „Bildungsstandards“ sind konkret formulierte Lernergebnisse in den einzelnen oder den in fachlichem Zusammenhang stehenden PflichtgegenstĂ€nden, die sich aus den LehrplĂ€nen der in § 1 genannten Schularten und Schulstufen ableiten lassen. Diese Lernergebnisse basieren auf grundlegenden Kompetenzen, ĂŒber die die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler bis zum Ende der jeweiligen Schulstufe in der Regel verfĂŒgen sollen;

2. „Kompetenzen“ sind lĂ€ngerfristig verfĂŒgbare kognitive FĂ€higkeiten und Fertigkeiten, die von Lernenden entwickelt werden und die sie befĂ€higen, Aufgaben in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsbewusst zu lösen und die damit verbundene motivationale und soziale Bereitschaft zu zeigen;

3. „grundlegende Kompetenzen“ sind solche, die wesentliche inhaltliche Bereiche eines Gegenstandes abdecken und somit fĂŒr den Aufbau von Kompetenzen, deren nachhaltiger Erwerb fĂŒr die weitere schulische und berufliche Bildung von zentraler Bedeutung ist, maßgeblich sind;

4. „Kompetenzmodelle“ sind prozessorientierte Modellvorstellungen ĂŒber den Erwerb von fachbezogenen oder fĂ€cherĂŒbergreifenden Kompetenzen. Sie strukturieren Bildungsstandards innerhalb eines Unterrichtsgegenstandes und stĂŒtzen sich dabei auf fachdidaktische sowie fachsystematische Gesichtspunkte;

5. „Kompetenzbereiche“ sind fertigkeitsbezogene Teilbereiche des Kompetenzmodells.

 

Einladung

Bildungsstandards: Mehr QualitÀt und Gerechtigkeit im Schulsystem

11. Oktober 2010 um 18:00 Uhr in Graz, Großer Kammersaal, Straucherg. 32

Referent: Prof. DDr. GĂŒnter Haider, Direktor des BIFIE

Veranstalter:Arbeiterkammer Steiermark, Eintritt frei,

Anmeldung: bildung@akstmk.at