Vermeidung von Schulversagen

Schulversagen ist ein dramatisches / traumatisches Erlebnis fĂŒr Kinder. Viele Initiativen wurden gesetzt, um Schulversagen zu verhindern, und insbesondere auf rechtlicher Ebene immer weiter ausgefeilt:

FrĂŒhwarnsystem:

SchUG § 19
(3a) Wenn die Leistungen des SchĂŒlers auf Grund der bisher erbrachten Leistungen in einem Pflichtgegenstand zum Ende des 1. oder des 2. Semesters mit „Nicht genĂŒgend“ zu beurteilen wĂ€ren, ist dies den Erziehungsberechtigten unverzĂŒglich mitzuteilen und dem SchĂŒler sowie den Erziehungsberechtigten vom Klassenvorstand oder vom unterrichtenden Lehrer Gelegenheit zu einem beratenden GesprĂ€ch zu geben (FrĂŒhwarnsystem). Dabei sind insbesondere Fördermaßnahmen zur Vermeidung dieser negativen Beurteilung (zB Analyse der Lerndefizite unter Einbeziehung der individuellen Lern- und LeistungsstĂ€rken, Fördermöglichkeiten, Förderunterrichtsangebote, Leistungsnachweise) zu erarbeiten und zu beraten. 


verpflichtendes standortbezogenes Förderkonzept:

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Schulen sind, beginnend mit dem Schuljahr 2005/06, verpflichtet, ein standortbezogenes Förderkonzept zu entwickeln, dieses laufend zu evaluieren und jĂ€hrlich zu adaptieren. Dieses ist den Schulpartnern bekannt zu geben, um SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern und Erziehungsberechtigten Grundlagen fĂŒr Entscheidungen zu geben.
Das Förderkonzept soll den Förderbedarf des Standortes und das Qualifikationsprofil des Lehrerteams (Ausbildungen, Erfahrungen usw.) berĂŒcksichtigen und alle vorhandenen Ressourcen mit einander verknĂŒpfen.
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“ Was wirkt alles fördernd und sollte im Förderkonzept aufgenommen werden? Expliziter Förderunterricht ist nur ein Aspekt schulischer Förderung. Förderung durch Differenzierung und Individualisierung ist eine Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer. Dazu ist es notwendig, dass die Schule die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler individuell fördert und fordert und die heterogene Zusammensetzung der SchĂŒlerschaft akzeptiert und konstruktiv damit umgeht. Ein solcherart verstandenes Förderprinzip braucht ein entsprechendes pĂ€dagogisches Gesamtkonzept.
Ein fördernder Unterricht nimmt in seiner methodisch-didaktischen Gestaltung folgende Kriterien auf: differenzierte Lernangebote und individuelle ZugĂ€nge; BerĂŒcksichtigung individuell notwendiger Arbeitszeit sowie unterschiedlicher Vorkenntnisse; Wahrnehmung unterschiedlichen Betreuungsbedarfs.
Ein individuell förderliches Lernklima soll grundsĂ€tzlich Demotivation vermeiden und an den StĂ€rken der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler anknĂŒpfen. Die Lern- und Leistungsbereitschaft ist durch motivierende Lehrmethoden und Unterrichtsformen zu fördern. Sowohl grundsĂ€tzliche LeistungsfĂ€higkeit als auch besondere Begabungen sind kontinuierlich zu fördern. Ein förderndes Lernklima bzw. Förderunterricht ist nicht gleichzusetzen mit individueller Nachhilfe. „
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Schulversagen gilt erst dann als gegeben, wenn die Noten schlecht sind.
Schul-Statistiken beziehen sich daher oft darauf, wie viele SchĂŒlerInnen zum Aufsteigen berechtigt sind.

Auch Eltern sind meist beruhigt, wenn die „Noten stimmen“. Und gejubelt wird, wenn weniger Kinder als im Jahr davor eine Klasse wiederholen mĂŒssen.

Doch auf die Noten kann man sich oft nicht verlassen. Es scheint, dass bei mĂ€ĂŸigem Unterricht oder generell „schwachen Leistungen einer Klasse“ die Beurteilung allzu oft angepasst wird. Ein Einschreiten findet meist nur dann statt, wenn zu viele „Nicht genĂŒgend“ zu verzeichnen sind.
So ist der Beginn bzw. der Grundstein fĂŒr Schulversagen meist lange vor den „Nicht genĂŒgend“ angesiedelt.

Die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben ist nĂ€mlich keine rein organisatorische Angelegenheit (Verfassen des standortbezogenen Förderkonzeptes, FrĂŒhwarnung durch Mitteilung der GefĂ€hrdungen,
 ), sondern insbesondere eine Frage der pĂ€dagogischen Haltung und ProfessionalitĂ€t von Lehrpersonen.

Eine konsequent gesetzeskonforme Leistungsbeurteilung ließe es nicht zu, dass SchĂŒlerInnen ĂŒber Jahre wesentliche Bereiche des Lehrplans nur so oberflĂ€chlich lernen, dass sie die Aufgabenstellungen nur zum aktuellen Zeitpunkt und in bekannter (geĂŒbter) „Aufmachung“ erledigen können.

„Durchschnitte bei der Ermittlung von Jahresnoten“ lassen zu, dass wesentliche Bereiche nicht beherrscht werden und dennoch eine positive Beurteilung erfolgt, was den trĂŒgerischen Schluss nach sich zieht, „gut genug zu sein“.

Dies, obwohl im Gesetz steht:
Mit ,,GenĂŒgend'' sind Leistungen zu beurteilen, mit denen der SchĂŒler die nach Maßgabe des Lehrplanes gestellten Anforderungen in der Erfassung und in der Anwendung des Lehrstoffes sowie in der DurchfĂŒhrung der Aufgaben in den wesentlichen Bereichen ĂŒberwiegend erfĂŒllt.

Um keine MissverstÀndnisse aufkommen zu lassen:
Die Forderung lautet nicht, mehr „Nicht genĂŒgend“ zu vergeben, sondern

durch geeignete Maßnahmen dafĂŒr zu sorgen, dass SchĂŒlerInnen Fertigkeiten erwerben und Kompetenzen entwickeln, die die Note rechtfertigen.

Dann kann einmal Gelerntes in neuen, erweiterten ZusammenhĂ€ngen angewandt werden, sodass Netzwerke des Wissens und Könnens entstehen, die eine tragfĂ€hige Basis fĂŒr weitere Lerninhalte bilden. Dazu ist es notwendig,

â˜ș festzustellen, worauf das Kind bei der ErfĂŒllung einer Aufgabenstellung sein Augenmerk lenkt (zB: Ist es der Beistrich, der als „Signal“ fĂŒr die Verwendung von „dass“ fungiert, oder erkennt das Kind die Rolle dieses Wortes als Bindewort.),

â˜ș zu frĂŒhe Automatisierung zu vermeiden, und

â˜ș das Kind zu befĂ€higen, relevante von irrelevanten Informationen zu unterscheiden, sinnvolle Fragen zu stellen, Hauptgedanken sowie Abfolgen zu erkennen und zu verbalisieren, mögliche Konsequenzen vorauszusagen, Ideen zu entwickeln, nach Alternativen zu suchen und entschlossen zu werden, die gestellten Probleme zu lösen
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