Welches Kind in welche Schule?

Unser Schulsystem ist vielgliedrig. Wir unterscheiden zwischen Schularten, Schulformen, Fachrichtungen, gliedern nach Bildungshöhe und Bildungsinhalt...

„Das österreichische Schulwesen stellt in seinem Aufbau eine Einheit dar. Seine Gliederung wird durch die Alters- und Reifestufen, die verschiedenen Begabungen und durch die Lebensaufgaben und Berufsziele bestimmt.

Der Erwerb höherer Bildung und der Übertritt von einer Schulart in eine andere ist allen hiefür geeigneten Schülern zu ermöglichen.

Schüler und Eltern sind über die Aufgaben und Voraussetzungen der verschiedenen Schularten zu informieren und insbesondere in der 4. und 8. Schulstufe sowie vor dem Abschluß einer Schulart über den nach den Interessen und Leistungen des Schülers empfehlenswerten weiteren Bildungsweg zu beraten.“
(§ 3 Abs.1, SchOG)

Zur weiteren Orientierung haben die SchülerInnen gegen Ende ihrer Schulpflicht auch die Möglichkeit
„…zum Zweck der individuellen Berufs(bildungs)orientierung an bis zu fünf Tagen dem Unterricht fern zu bleiben….“
(§ 13b Abs.1, SchUG)

Trotz dieser gesetzlichen Grundlagen sind, glaubt man den Studien und LehrerInnen, tausende Kinder an falschen Schulen. Insbesondere der soziale Status der Eltern (ihr Einkommen und ihre Ausbildung) beeinflusst den Bildungsweg der Kinder signifikant.


Die Aufteilung der Kinder nach der Volksschule wird von vielen als der Beginn dieser Ungleichheit gesehen.

Die eigentliche Wurzel des Problems liegt tiefer:

..., nämlich dort, wo schon in der Volksschule das Fortkommen der Kinder maßgeblich abhängt von der Mitwirkung der Eltern bei Hausübungen aller Arten, beim „Erklären von nicht Verstandenem“ sowie dem „Verbessern der Lesefähigkeit“, etc.

Es ist gängige Praxis, dass Eltern die Verantwortung für die Hausübungen ihrer Kinder übertragen bekommen, nicht nur von der Form sondern auch vom Inhalt her.

Auch wenn in der Volksschule Hefte (teilweise) noch von den Lehrpersonen korrigiert werden, so hat ein ohne „Elternhilfe“ arbeitendes Kind kaum Chancen, weil seine Ergebnisse dem Vergleich mit den anderen Werken nicht standhalten können.

Und auch wenn die Lehrpersonen es ahnen bzw. wissen, dass sie es mit „Elternwerken“ zu tun haben, schwebt der Vorwurf über diesem Kind: „die anderen haben es doch zusammengebracht!“.

Dort, wo die Hausübungskontrollen nur über „Ergebnis richtig oder falsch“ passiert, kann aus Fehlern nur der lernen, der diese Fehler aus Unachtsamkeit gemacht hat.

Erfolgt die Überprüfung der Richtigkeit durch „Selbstkorrektur auf Grund von MitschülerInnen-Votrag“, so wird dadurch nicht einmal sichergestellt, dass Richtiges als richtig und Falsches als falsch registriert wird.

Wie verbessert ein Kind seine Syntax, seinen Wortschatz, seinen Satzbau,
wer stellt fest, ob ein gelesener Text verstanden wurde,
wer überprüft die Eintragungen in Arbeitsbüchern, auf Arbeitsblättern,…und vor allem:
wer handelt wirksam und nachhaltig, wenn Defizite festgestellt wurden?


Die Eltern? Eine von den Eltern bezahlte Person?

Oder könnte die „Tagesschule“ die Rettung sein (vorausgesetzt die Eltern leisten sich die Beiträge)? Oder bleibt auch hier die Verantwortung bei den Eltern, weil auch die Tagesschule eben Schule ist?

Für viele Kinder naht die Zeit der Anmeldung, und Eltern wie Kinder hoffen auf die Aufnahme in der „Wunschschule“, sofern es für sie überhaupt eine Wahlmöglichkeit gibt. Denn Wohnort und Schulerfolg sind Hürden, die oft ebenfalls nur mit entsprechendem sozialem Status bewältigt werden können.