Methodengerechtheit steht ĂĽber Methodenfreiheit


Die österreichischen Lehrpläne räumen den Lehrpersonen nicht nur Methodenfreiheit ein, sondern sie fordern ausdrücklich dazu auf, die jeweils beste Methode für die Vermittlung von Lerninhalten bzw. zur Erreichung von Lernzielen anzuwenden. Gerade für Kinder, die Schwierigkeiten bei der Bewältigung der schulischen Anforderungen haben, ist die Gestaltung des Unterrichts –wie schon verschiedentlich in Textbeiträgen ausgeführt- besonders wichtig.

Im Rahmen des mehrjährigen Hamburger Projekts „Lesen und Schreiben für alle“ gab es auch eine von Dr. Peter May durchgeführte wissenschaftliche Begleitung.

Peter May: Welche schulische Förderung ist erfolgreich

In dem Beitrag „Welche schulische Förderung ist erfolgreich?“ geht Dr. P. May auch auf die Frage ein:

Welche Art von Unterricht benötigen Kinder mit unterschiedlichen
Schulleistungen?

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Auf Seiten der Lehrerin zeigt sich im lernförderlichen Unterricht

• ein höheres Ausmaß an Direktivität des Lehrerverhaltens
• eine höhere Aufmerksamkeit für die Abläufe in der Klasse
• ein höheres Ausmaß an Zuwendung an die Förderkinder, jedoch eher weniger Einzelzuwendungen
an die ĂĽbrigen Kinder
• eine stärkere Orientierung auf den Lehrstoff und ein stärkeres Einfordern von Disziplin

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Hinsichtlich der zeitlichen Verteilung der Aktivitäten lässt sich ein lernförderlicher Unterricht idealtypisch beschreiben:
Das Ausmaß der Lehreraktivitäten ohne direkte Interaktion mit den Kindern sollte relativ gering ausfallen, statt dessen sollte die Lehrerin so häufig wie möglich direkt mit den Kindern (einzeln oder in Gruppen) interagieren.

Schüleraktivitäten, in denen die Kinder allein arbeiten, sollten zeitlich eng begrenzt werden. Statt dessen sollten Schüleraktivitäten häufiger in der Form stattfinden, dass die Handlungen der Kinder aufeinander bezogen sind.

Insbesondere sollte die Dauer der nicht unterrichtsbezogenen Aktivitäten soweit wie möglich eingeschränkt werden.

Das Muster dieser Vergleichsergebnisse lässt sich mit einschlägigen Erkenntnissen der pädagogischen Psychologie in Übereinstimmung bringen:

Die Kinder profitieren beim Lernen von der Interaktion mit der Lehrerin – allerdings nur, wenn diese sich ihnen direkt zuwendet, indem sie ihnen gezielte Erklärungen, individuelle Hilfen, persönliche oder sachliche Rückmeldungen gibt.

Verbringen die Kinder im Unterricht längere Zeit mit Einzelarbeit, bei der sie nicht direkt
von der Erfahrung und Hilfe anderer Personen profitieren können und keine Rückmeldungen
bekommen, sinken Motivation und Konzentration und damit der Lernerfolg.

Von der Kooperation mit Mitschülern profitieren insbesondere die lernschwächeren Kinder, sofern diese unterrichtsbezogen ist. Zwar ist diese Schüler-Schüler-Interaktion nicht systematisch und pädagogisch ausgerichtet, jedoch stützt sie gerade bei Lernschwierigkeiten die Motivation und kann durch wertvolle Anregungen weiterhelfen, während die Kinder bei der Einzelarbeit sich selbst überlassen sind.

Das Ergebnis, dass ein höherer Zeitanteil nicht unterrichtsbezogener Aktivitäten
den potentiellen Lernzuwachs mindert, leuchtet unmittelbar ein, denn dadurch werden Möglichkeiten eingeschränkt, die Unterrichtszeit lernproduktiv zu nutzen.

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Mit Blick auf die lese-rechtschreibschwachen Kinder sollte ein lernwirksamer Unterricht u.a.
folgende Merkmale aufweisen:

• differenzierte und individualisierte Aufgabenstellungen, um die persönliche Motivation zu
berĂĽcksichtigen und Ăśberforderungen zu vermeiden;
• Gestaltung von klar strukturierten Aufgabenstellungen und möglichst transparenten Lösungssituationen;
• Vermeidung längerer Phasen der Einzelarbeit mit komplexen und offenen Aufgabenstellungen,
die den Förderkindern noch wenig vertraut sind;
• häufige individuelle Zuwendungen an die Förderkinder, um sie zu ermuntern sowie ihnen
Erläuterung und Hilfen zu geben;
• möglichst unmittelbare Leistungsrückmeldung nach der Bewältigung von Teilschritten;
• Vermeidung von Leerlauf und unterrichtsfremden Aktivitäten