Gemeinsame Führung der Vorschulstufe und der 1. und 2. Schulstufe
(aus Elternbrief Jänner 2008)

Leitfaden Individualisierung und differenzierte Förderung Juni 2015

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Eine Vorschulstufe ist seit 1999 bei Bedarf verpflichtend in jeder Volksschule anzubieten.
Schulpflichtige Kinder können sofort mit Schulbeginn nach dem Lehrplan der Vorschulstufe unterrichtet werden, wenn die mangelnde Schulreife vor Beginn des Schuljahres mittels Entscheidung festgestellt wurde (Siehe Erläuterungen zum Schuleingang….).

Alle schulreifen Kinder sind in die erste Schulstufe aufzunehmen.
Stellt sich bei einem Kind nach dem Eintritt in die erste Schulstufe heraus, dass die Schulreife doch nicht gegeben ist, kann während des Unterrichtsjahres ein Wechsel in die Vorschulstufe erfolgen.

Bevor dieser Wechsel stattfindet, ist von der unterrichtenden Lehrkraft ein Förderprotokoll zu führen, in dem mindestens 6 Wochen lang der differenzierte Unterricht dokumentiert wird. Dabei soll von den Stärken der Kinder ausgegangen werden, und zur Schwächung der Schwächen ein entsprechender Förderplan erstellt werden.


Wird eine Vorschulklasse geführt, sind die Vorrausetzungen für einen Wechsels ebenfalls laufend zu prüfen. Auch in diesem Fall sind mindestens 6 Wochen lang Förderprotokolle zu führen, bevor ein Kind in die Vorschulklasse wechselt. Dieser Wechsel sollte behutsam erfolgen, dh. Dem Kind ist Gelegenheit zu geben, die „neue Klasse“ kennen zu lernen.
Zu beachten ist, dass ein Wechsel in die Vorschulstufe nur dann gestattet ist, wenn entgegen der ursprünglichen Annahme die Schulreife doch nicht gegeben ist.
Ist das Kind jedoch „nur“ ein „langsamer Lerner“, so ist ihm in seinem ersten Schuljahr jener Teil des Lehrplans der Grundstufe I zu vermitteln, den es ohne Unter- bzw. Überforderung bewältigen kann. Ein Wechsel in die Vorschulstufe ist diesfalls nicht vorzunehmen. Der Maßstab für die Leistungsbeurteilung sind die Forderungen des Lehrplanes unter Bedachtnahme auf den jeweiligen Stand des Unterrichtes.



Es wird besonders betont, dass die Lehrplaninhalte für die Grundstufe I nicht mehr für die 1. und die 2. Schulstufe getrennt aufgelistet sind, sondern dass diese Lehrplanziele am Ende der 2. Schulstufe erreicht sein müssen. Dafür stehen den Kindern je nach Leistungsvermögen 1 bis 3 Schuljahre zur Verfügung. Daraus ergibt sich, dass dieser Lehrstoff individuell auf die benötigte Lernzeit aufzuteilen ist. Da in der Regel 2 Schuljahre gebraucht werden, stellen Schulbücher auf „2 Lernpakete“ ab, wodurch der Eindruck entstehen kann, der Lehrplan sei zweigeteilt. Oftmals wird auch fälschlich von einem Lehrplan der 1. bzw. 2. Klasse gesprochen.

Schließt ein Kind das erste Schuljahr nach dem Lehrplan der Vorschulstufe ab, ist dafür Sorge zu tragen, dass ihm die Klassengemeinschaft erhalten bleibt.
Bei gemeinsamer Führung von Schulstufen der Grundstufe I heißt dies, dass das Kind in die 2. Klasse mitzunehmen ist.

Diese Kinder (Schüler der 1. Schulstufe) bzw. die oben angeführten „langsamen Lerner" (Schüler der 2. Schulstufe), die in der 2. Klasse nach dem „fiktiven“ Lehrplan der 1. Schulstufe unterrichtet werden, können bzw. müssen bis Ende Mai ihres zweiten Schuljahres die Schulstufe wechseln, falls anzunehmen ist, dass sie durch die individuelle Förderung den Lehrplan der Grundstufe I bis zum Schuljahresende erfüllen bzw. nicht erfüllen können.
Auch hier sind vor dem Wechsel die entsprechenden Förderprotokolle zu führen. Wird ein Klassenwechsel (zurück in die 1.) für sinnvoll erachtet, weil es unwahrscheinlich scheint, dass bis Jahresende ein „Anschluss“ an den Unterricht der 2. Schulstufe möglich wird, ist dies mit den Eltern zu beraten und darf frühestens mit Jänner des laufenden Schuljahres und kann spätestens mit Ende Mai erfolgen.
Dadurch soll auch die Optik des „Wiederholens“ vermieden werden, denn die Kinder dürfen für die Grundstufe I drei Jahre brauchen. Den Eltern ist zu verdeutlichen, dass es sich dabei weder rechtlich noch inhaltlich um eine Klassenwiederholung handelt.

Über den Wechsel von Schulstufen während des Unterrichtsjahres hat die Schulkonferenz auf Antrag der Erziehungsberechtigten oder des Klassenlehrers zu entscheiden. Diese Entscheidung ist den Erziehungsberechtigten unverzüglich unter Angabe der Gründe und der Rechtsmittelbelehrung bekanntzugeben.

Unabhängig davon ist das Recht auf „freiwillige Wiederholung“ einer Schulstufe zu sehen.
„Auf Ansuchen des Schülers hat die Klassenkonferenz die Wiederholung einer Schulstufe durch einen Schüler, der zum Aufsteigen in die nächsthöhere Schulstufe berechtigt ist (§ 25), zu bewilligen, wenn die Aufholung eines Leistungsrückstandes, der aus entwicklungs- oder milieubedingten oder aus gesundheitlichen Gründen eingetreten ist, ermöglicht werden soll und die Einordnung des Schülers in die neue Klassengemeinschaft zu erwarten ist…“ (SchUG § 27 (2) ).
Dieses Recht darf nur einmal in der gesamten Schullaufbahn in Anspruch genommen werden. Darauf sind die Eltern nachweislich hinzuweisen.
Ausnahmen (WOVON?/WAS ist da gemeint?) sind nur dann zulässig, wenn die Eltern in einem Ansuchen an den Bezirksschulrat begründen, warum sie ihr Kind ein zweites Mal in der 1. Klasse belassen wollen und wenn von ihnen bestätigt wird, dass ihnen dieser Erlass zur Kenntnis gebracht wurde. Die Ausnahmegenehmigungen sind vom BSR bis jeweils 1.7. des laufenden Schuljahres der Pädag. Abteilung des Landesschulrates aufzulisten (Namen der Kinder, Begründung, Schule).

Eine Schuleingangsklasse, in der von Beginn an Kinder der Vorschulstufe sowie der 1. und der 2. Schulstufe im heterogenen Klassenverband unterrichtet werden („Familienklasse“) bringt wesentlich bessere Voraussetzungen für einen gemeinsamen Unterricht.

Für nicht schulreife Kinder können zusätzlich Lehrerstunden aus den Bezirksressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Wird im 1. Schuljahr durch Einsatz eines zusätzlichen „Schuleingangslehrers“ in Kleingruppen unterrichtet , ist den Eltern unterschriftlich zur Kenntnis zu bringen, dass es sich bei diesen pädagogischen Gruppen um keine Klassen, sondern um eine zeitlich begrenzte Hilfe beim Schulstart handelt! Durch geeignete pädagogische und organisatorische Maßnahmen ist überdies sicher zu stellen, dass die Kinder ihren Klassenverband kennen.