Warum wird soviel hinterher gemÀkelt?

Konsensmanagement wichtiger als Konfliktmanagement?

Elternabende, Klassen- und Schulforen sind Orte der Mitbestimmung fĂŒr
Eltern. Immer wieder werden dort von Lehrpersonen Projekte vorgestellt oder AntrĂ€ge ĂŒber die Abhaltung und DurchfĂŒhrung von Schulveranstaltungen vorgetragen.
Die Eltern werden eingeladen, sich dazu zu Ă€ußern oder
Fragen zu stellen. HĂ€ufig herrscht daraufhin Schweigen, oder es wird zustimmend genickt. So gilt das Vorgetragene rasch als allseits
akzeptiert. Man trennt sich und erst viel spĂ€ter, und (meist) ĂŒber Umwege landet die Kritik in der Schule.
Gerade bei ZusammenkĂŒnften in der Schule herrscht eine besondere
soziale Struktur, die oftmals alle anwesenden Eltern daran hindert,
„Zivilcourage“ zu zeigen. Die aus der eigenen Schulzeit unbewusst erinnerte AutoritĂ€t der Lehrperson, erschwert es, aus der vermeintlichen Einigkeit/Harmonie auszubrechen.
So wird ein ungeliebtes Projekt bzw. seine FortfĂŒhrung beschlossen, ohne dass jemand Zweifel oder Widerspruch Ă€ußert. Jeder nimmt an, dass die anderen Anwesenden das Projekt gutheißen, ein Einwand daher sinnlos ist. Die Gefahr, alle Blicke missbilligend auf sich gerichtet zu fĂŒhlen oder verbal angegriffen oder gar bloßgestellt zu werden, erscheint zu groß. Man zieht es vor, die eigenen
Zweifel an dem geplanten Vorhaben bzw. dem eingeschlagenen Weg zu
unterdrĂŒcken.
Ein derartig rasch erreichter Konsens sollte nicht erfreut angenommen
werden. Ein Konsens, der am Anfang der Lösungssuche steht, fĂŒhrt selten zu tragfĂ€higen Entscheidungen.
War unreflektiertes Harmoniestreben der Ratgeber, so wird der
Konsens spĂ€testens dann brĂŒchig, wenn bei der Umsetzung Schwierigkeiten auftreten. Die große Gefahr bei den meisten
schulischen Entscheidungen ist nÀmlich nicht der Konflikt sondern der
verfrĂŒhte Konsens.
Von Alfred Sloan, langjÀhrigem Chef von General Motors, wird folgende
Anekdote berichtet:

Als er in einer Sitzung einmal feststellte, dass
offenbar schon von Beginn an alle einer Meinung
waren, schloss er die Sitzung mit den Worten:
“Wenn das so ist, dann schlage ich vor, dass wir
die Sitzung hier unterbrechen und uns Zeit nehmen,
zu unterschiedlichen Meinungen zu gelangen!”

Konsensmanagement erfordert, mit der Suche nach Alternativen zu beginnen, unterschiedliche Meinungen zusammenzufĂŒhren und die Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel zu verpflichten, nĂ€mlich jener Auffassung, die als beste Alternative erkannt wurde.

I.S.