Standortbezogenes F├Ârderkonzept

Gesch├Ąftszahl: BMBWK-36.300/0068-BMBWK/2005
SachbearbeiterIn: Mag. Johann Wimmer
Abteilung: I/2

Telefon/Fax: +43(1)/53120-4345/53120-81 4345
Neue Regelung: verpflichtendes standortbezogenes F├Ârderkonzept beginnend mit dem Schuljahr 2005/06
Verteiler: VI
Sachgebiet: P├Ądagogische Angelegenheiten

Inhalt: Neue Regelung: verpflichtendes standortbezogenes F├Ârderkonzept beginnend mit dem Schuljahr 2005/06

Gesetzliche Grundlage: ┬ž8 lit.g SchOG; ┬ž 12 Abs. 6 bis Abs. 9 SchUG; ┬ž 19 Abs. 3a und 4 SchUG; ┬ž 4 Abs. 1 bis 3 sowie ┬ž1, Abs. 4 Teilungszahlenverordnung)
Geltung: Ab Schuljahr 2005/06 unbefristet
Rundschreiben Nr. 11/2005

An alle
Landesschulr├Ąte/Stadtschulrat f├╝r Wien
Zentrallehranstalten

Besser F├Ârdern
Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler individuell f├Ârdern und fordern

Die F├Ârderung von Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern ist ein grundlegender p├Ądagogischer Auftrag der Schule und ein elementares Prinzip jedes Unterrichts. F├Ârderung meint einerseits die bestm├Âgliche Entwicklung der Leistungspotenziale aller Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. Andererseits soll F├Ârderung Lernversagen &endash; und damit auch negative Beurteilungen &endash; m├Âglichst verhindern. Sie stellt ein Qualit├Ątselement von Schule dar.

F├Ârderung erfolgt

  1. durch intensives Individualisieren des Unterrichts und durch differenzierte Unterrichtsgestaltung
  2. durch zus├Ątzliche Ma├čnahmen wie Freigegenst├Ąnde und Unverbindliche ├ťbungen, aber auch durch den F├Ârderunterricht.

Im Rahmen des Fr├╝hwarnsystems sind von den Klassenvorst├Ąnden oder den unterrichtenden Lehrer/innen insbesondere F├Ârderma├čnahmen zur Vermeidung einer negativen Beurteilung (Analyse der Lerndefizite unter Einbeziehung der individuellen Lern- und Leistungsst├Ąrken, F├Ârderm├Âglichkeiten, F├Ârderunterrichtsangebote, Leistungsnachweise etc.) zu erarbeiten. Diese Ma├čnahmen werden in m├Âglichst strukturierter Form mit der Sch├╝lerin bzw. mit dem Sch├╝ler sowie den Erziehungsberechtigten besprochen und beraten (vergleiche Rundschreiben Nr.1/2005).

N├Ąhere Ausf├╝hrungen zum Personaleinsatz im Zuge des F├Ârderunterrichts sind Sektion III des Bundesministeriums f├╝r Bildung, Wissenschaft und Kultur erfolgen mit den Erl├Ąssen GZ 680/0015-III/6/2005 (Bundesschulen) sowie GZ 621/0018-III/7/2005 (Landesschulen).

REGELUNG
In ein STANDORTBEZOGENES F├ľRDERKONZEPT sollen alle schon bisher laufenden und k├╝nftige Ma├čnahmen aufgenommen werden, wie zB

  • Expliziter F├Ârderunterricht (siehe die einzelnen Lehrpl├Ąne bzw. Bemerkungen zu den jeweiligen Stundentafeln) unter Angabe der verwendeten Ressourcen, der eingesetzten Lehrkr├Ąfte, der zeitlichen Planung und des jeweiligen Prozederes, wie F├Ârderunterricht am Standort abgewickelt wird, einschlie├člich einer Kultur der "F├Ârdervereinbarungen" mit den Erziehungsberechtigten.
  • F├Ârderung von Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern mit nichtdeutscher Muttersprache (Ma├čnahmen f├╝r au├čerordentliche und ordentliche Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler, unverbindliche ├ťbungen oder muttersprachlicher Unterricht; weitere Ma├čnahmen f├╝r Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch, zB M├Âglichkeit des "Einschleifens" bei der Aufnahme als ordentliche/r Sch├╝ler/in, "Sprachentausch")
  • Ma├čnahmen zur F├Ârderung von begabten Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern (zB Angebote von Freigegenst├Ąnden und unverbindlichen ├ťbungen, eventuell mit entsprechenden Anforderungen f├╝r besonders begabte, interessierte bzw. vorgebildete Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler; Teilnahme an Sommerakademien oder Angeboten des Begabtenzentrums in Salzburg; spezifische Schwerpunkte an der Schule oder Intensivsprachwochen etc.).
  • Angebote f├╝r den Erwerb unterschiedlicher Kompetenzen (Selbst- und Sozialkompetenz, dynamische F├Ąhigkeiten): Projekte wie "Lernen lernen" bzw. Lernkompetenztraining; "Lernerfolgsverbesserung", "Lernwerkst├Ątten" oder Tutorensysteme; Ma├čnahmen zu sozialem Lernen, zur Lesef├Ârderung oder Legasthenikerf├Ârderung etc.)
  • Ma├čnahmen an den Nahtstellen (Ankn├╝pfen an die Vorkenntnisse und Vorerfahrungen; Einstiegsphasen in Anfangsklassen; "Ankommenstage" etc, aber auch Ma├čnahmen zur Bildungslaufbahnbegleitung)
  • Jedenfalls ist das einem solchen F├Ârderprinzip zu Grunde liegende p├Ądagogische Gesamtkonzept in das F├Ârderkonzept aufzunehmen (Was ist mit individueller F├Ârderung am Standort gemeint? Wie soll sie umgesetzt werden? Was sind die Konturen des p├Ądagogischen Leitbilds, in welchen Bereichen wird es schon erfolgreich praktiziert bzw. ist die Schule und sind die Lehrkr├Ąfte darauf vorbereitet?)

Schulen sind, beginnend mit dem Schuljahr 2005/06, verpflichtet, ein standortbezogenes F├Ârderkonzept zu entwickeln, dieses laufend zu evaluieren und j├Ąhrlich zu adaptieren. Dieses ist den Schulpartnern bekannt zu geben, um Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern und Erziehungsberechtigten Grundlagen f├╝r Entscheidungen zu geben.

Das F├Ârderkonzept soll den F├Ârderbedarf des Standortes und das Qualifikationsprofil des Lehrerteams (Ausbildungen, Erfahrungen usw.) ber├╝cksichtigen und alle vorhandenen Ressourcen mit einander verkn├╝pfen.

Es ist Aufgabe der Schulaufsicht, entsprechende Ziele und Verfahrensvorgaben f├╝r ihren Zust├Ąndigkeitsbereich festzulegen und die auf dieser Basis schulautonom bzw. standortbezogen umgesetzten Konzepte zu ├╝berpr├╝fen und erforderlichenfalls schul├╝bergreifende Ma├čnahmen einzuleiten.

Dies hat auch die Verpflichtung zur Selbstevaluation der gesetzten Ma├čnahme durch die Lehrerinnen und Lehrer bzw. die Schulleiter/innen zu umfassen. Gleichzeitig wird die Schulaufsicht ersucht, Beispiele gelungener Umsetzung zu dokumentieren und dem BMBWK zur Verf├╝gung zu stellen, damit sie anderen Schulen zug├Ąnglich gemacht werden k├Ânnen.

HINWEISE

Als Elemente eines Qualit├Ątsprozesses d├╝rfen F├Ârderma├čnahmen nicht isoliert gesehen werden, sondern ben├Âtigen Vorbereitung und Nachbereitung.

Zielgerichtetes F├Ârdern setzt

eine Planung auf Schulebene, die Bedarf und Ressourcen in Einklang bringt,

  1. eine Planung auf Klassenebene und
  2. auf der individuellen Ebene eine genaue Beschreibung der St├Ąrken und Schw├Ąchen voraus.

Nach Durchf├╝hrung der F├Ârderma├čnahmen ist es auf allen Ebenen notwendig festzustellen, wie weit die Ziele erreicht werden konnten (R├╝ckmeldung):

  1. Evaluation am Standort als Grundlage f├╝r die Planungen im folgenden Schuljahr.
  2. Evaluation und allf├Ąllige ├änderung der individuellen F├Ârderma├čnahmen, sofern die F├Ârderziele innerhalb des vorgesehenen Zeitraumes nicht erreicht wurden.
  3. R├╝ckmeldung an die Lernenden und erforderlichenfalls an die Erziehungsberechtigten, ob die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler tats├Ąchlich ihr Leistungspotenzial entfalten konnten.

WAS und WER?

Was wirkt alles f├Ârdernd und sollte im F├Ârderkonzept aufgenommen werden? Expliziter F├Ârderunterricht ist nur ein Aspekt schulischer F├Ârderung. F├Ârderung durch Differenzierung und Individualisierung ist eine Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer. Dazu ist es notwendig, dass die Schule die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler individuell f├Ârdert und fordert und die heterogene Zusammensetzung der Sch├╝lerschaft akzeptiert und konstruktiv damit umgeht. Ein solcherart verstandenes F├Ârderprinzip braucht ein entsprechendes p├Ądagogisches Gesamtkonzept.

WIE und WANN?

Ein f├Ârdernder Unterricht nimmt in seiner methodisch-didaktischen Gestaltung folgende Kriterien auf: differenzierte Lernangebote und individuelle Zug├Ąnge; Ber├╝cksichtigung individuell notwendiger Arbeitszeit sowie unterschiedlicher Vorkenntnisse; Wahrnehmung unterschiedlichen Betreuungsbedarfs.

Ein individuell f├Ârderliches Lernklima soll grunds├Ątzlich Demotivation vermeiden und an den St├Ąrken der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler ankn├╝pfen. Die Lern- und Leistungsbereitschaft ist durch motivierende Lehrmethoden und Unterrichtsformen zu f├Ârdern. Sowohl grunds├Ątzliche Leistungsf├Ąhigkeit als auch besondere Begabungen sind kontinuierlich zu f├Ârdern. Ein f├Ârderndes Lernklima bzw. F├Ârderunterricht ist nicht gleichzusetzen mit individueller Nachhilfe.

F├╝r die Bundesministerin: SektChef Dr. Anton Dobart Wien, 28. Juni 2005